Wozu ein Motivationsschreiben überhaupt da ist
Zeugnis und Lebenslauf zeigen, was du bisher gemacht hast. Das Motivationsschreiben zeigt, warum du etwas Bestimmtes willst und warum du dazu passt. Wer es liest, hat oft Dutzende ähnliche Bewerbungen vor sich und sucht nach einem Grund, sich an dich zu erinnern.
Verlangt wird es vor allem bei zulassungsbeschränkten Studiengängen, Masterprogrammen, Stipendien, Auslandsprogrammen wie Erasmus, Freiwilligendiensten und vielen Ausbildungsstellen. Bei Ausbildungen heißt es manchmal auch Anschreiben, der Aufbau ist fast gleich.
Der Aufbau in fünf Teilen
Die Reihenfolge folgt einer einfachen Frage, die sich jeder Leser stellt: Wer ist das, warum will er das, kann er das, wohin will er, und wie geht es weiter?
| Teil | Aufgabe | Umfang |
|---|---|---|
| Einleitung | Wofür du dich bewirbst, mit einem Einstieg, der hängen bleibt | 2–3 Sätze |
| Motivation | Woher dein Interesse kommt und warum genau dort | 5–7 Sätze |
| Eignung | Stärken mit Belegen aus Schule, Job, Ehrenamt, Studium | 5–7 Sätze |
| Ziel | Was du nach dem Studium, der Ausbildung, dem Jahr vorhast | 2–3 Sätze |
| Schluss | Gesprächsangebot und Grußformel | 1–2 Sätze |
1. Einleitung: der wichtigste Platz im Brief
Der erste Satz entscheidet, ob jemand aufmerksam liest oder nur noch überfliegt. Drei Einstiege funktionieren fast immer:
- Ein konkreter Moment. „Als in unserem Dorf die einzige Hausarztpraxis schloss, habe ich zum ersten Mal verstanden, was Versorgungsplanung bedeutet.“
- Eine klare Entscheidung. „Nach zwei Semestern Jura habe ich gewechselt, weil mich die Menschen hinter den Fällen mehr interessiert haben als die Paragrafen.“
- Ein Bezug zum Angebot. „Ihr Studiengang ist einer der wenigen, in denen Ökologie und Informatik von Anfang an zusammen unterrichtet werden.“
Was nicht funktioniert: Zitate berühmter Menschen, „Schon als kleines Kind wollte ich …“ und der reine Formsatz „Hiermit bewerbe ich mich um …“. Den kannst du stehen lassen, wenn dir nichts Besseres einfällt, aber dann muss der zweite Satz umso stärker sein.
2. Motivation: ein Erlebnis statt zehn Adjektive
„Ich interessiere mich sehr für Biologie“ schreibt jeder. Interessant wird es erst mit dem Grund. Such dir ein Erlebnis, ein Projekt oder eine Frage, die dich nicht losgelassen hat, und erzähl es in zwei bis drei Sätzen. Danach kommt der Teil, den viele vergessen: warum genau diese Hochschule, dieser Betrieb, diese Stiftung. Nenne etwas Überprüfbares, etwa einen Schwerpunkt, ein Modul, eine Arbeitsweise oder ein Projekt. Wer hier nur „guter Ruf“ schreibt, hat die Website nicht gelesen.
3. Eignung: Belege statt Behauptungen
Stärken wirken nur mit Beweis. Die Faustregel: Jede Eigenschaft bekommt eine Situation, in der man sie hätte beobachten können.
| Behauptung | Mit Beleg |
|---|---|
| Ich bin sehr organisiert. | Neben dem Abitur habe ich zwölf Stunden pro Woche im Supermarkt gearbeitet und die Schichtpläne für unser Team erstellt. |
| Ich arbeite gern im Team. | In unserer Projektgruppe zur Schulgarten-Bewässerung habe ich die Messwerte der vier Untergruppen zusammengeführt. |
| Ich bin belastbar. | Während meine Mutter im Krankenhaus lag, habe ich drei Monate lang meine jüngeren Geschwister mitversorgt und trotzdem die Prüfungen bestanden. |
Zwei oder drei gut belegte Stärken überzeugen mehr als sieben aufgezählte.
4. Ziel: zeig, dass du weiterdenkst
Niemand erwartet einen Lebensplan. Ein Satz zu deinem Ziel und einer dazu, wie dieser Schritt dorthin führt, reicht. Wenn du noch unsicher bist, schreib ehrlich, welche Richtung dich reizt und was du herausfinden willst.
5. Schluss: kurz und selbstbewusst
Ein Satz mit Gesprächsangebot, dann „Mit freundlichen Grüßen“ und dein Name. Vermeide Konjunktivketten wie „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir die Möglichkeit geben würden …“. „Über eine Einladung zum Gespräch freue ich mich“ sagt dasselbe in halb so vielen Wörtern.
Diese fünf Teile füllt der Generator mit deinen Antworten.
Entwurf erstellenForm: Briefkopf, Betreff, Schrift
- Briefkopf: oben dein Name, Adresse, Telefon, E-Mail; darunter Empfänger mit Ansprechperson, falls bekannt; rechts Ort und Datum.
- Betreff: fett, ohne das Wort „Betreff“, zum Beispiel „Motivationsschreiben für den Masterstudiengang Stadtplanung“.
- Anrede: mit Namen, wenn er in der Ausschreibung steht („Sehr geehrte Frau Dr. Yilmaz,“), sonst „Sehr geehrte Damen und Herren,“. Danach geht es klein weiter.
- Schrift: eine gut lesbare Schrift in 11 oder 12 Punkt, Zeilenabstand 1,15 bis 1,5, Ränder um 2,5 cm. Absätze mit Leerzeile trennen.
- Datei: als PDF, benannt etwa „Motivationsschreiben_Vorname_Nachname.pdf“.
Wie lang ein Motivationsschreiben sein sollte
| Anlass | Übliche Länge |
|---|---|
| Bachelorstudium | 1 Seite, 300–450 Wörter |
| Master | 1–2 Seiten, oft mit Vorgabe in Zeichen |
| Ausbildung | 1 Seite, eher 250–350 Wörter |
| Stipendium | 1–2 Seiten, Vorgabe der Stiftung beachten |
| Auslandssemester | 1 Seite, häufig in der Landessprache oder auf Englisch |
| FSJ, BFD, Praktikum | 1 Seite oder weniger |
Steht in der Ausschreibung eine Zeichenzahl, sind meist Zeichen mit Leerzeichen gemeint. 3.000 Zeichen entsprechen ungefähr 450 Wörtern.
Die zehn häufigsten Fehler
- Der Lebenslauf wird nacherzählt, Station für Station.
- Stärken ohne einen einzigen Beleg.
- Kein Satz dazu, warum genau diese Hochschule oder dieser Betrieb.
- Ein Brief für alle: Der Name der falschen Uni steht noch im Text.
- Floskeln wie „teamfähig, motiviert und zuverlässig“ als Aufzählung.
- Zu viel Kindheit, zu wenig Gegenwart.
- Selbstkritik ohne Grund („Auch wenn meine Noten nicht die besten sind …“).
- Länger als erlaubt oder deutlich kürzer als eine halbe Seite.
- Rechtschreibfehler, besonders im Namen der Ansprechperson.
- Ein Text, der sich vorgelesen nicht nach dir anhört.
Checkliste vor dem Absenden
- Der erste Satz könnte von keinem anderen Bewerber stammen.
- Es gibt mindestens ein konkretes Erlebnis oder Projekt.
- Ich nenne einen überprüfbaren Grund für genau diese Hochschule, Stiftung oder diesen Betrieb.
- Jede Stärke hat einen Beleg.
- Mein Ziel steht in ein bis zwei Sätzen drin.
- Name von Hochschule, Studiengang oder Betrieb ist überall richtig geschrieben.
- Länge und Format entsprechen der Ausschreibung.
- Jemand anderes hat den Text gelesen, oder ich habe ihn laut vorgelesen.
- Gespeichert als PDF mit sinnvollem Dateinamen.
Entwurf prüfen lassen: Feedback zu Aufbau, Wirkung und Formulierungen
bald verfügbar
- Prüft deinen Text gegen genau diese Checkliste
- Markiert Floskeln und schlägt konkretere Sätze vor
Motivationsschreiben, Anschreiben, Lebenslauf: wer macht was
Der Lebenslauf listet Stationen. Das Anschreiben verbindet deine Erfahrung mit einer konkreten Stelle und ist im Berufsleben üblich. Das Motivationsschreiben erklärt dein Warum und wird vor allem dann verlangt, wenn es noch wenig Berufserfahrung gibt. Wiederhole im Motivationsschreiben deshalb nichts, was im Lebenslauf schon steht, sondern erkläre, was dahintersteckt.
Beispiele für die einzelnen Anlässe findest du in den Anleitungen für das Studium, die Ausbildung und das Stipendium.
Bereit für deinen eigenen Entwurf?
Entwurf erstellen